Enterokokken im Trinkwasser: Warum ein Nachweis besonders ernst genommen wird

Geposted von Rainer Nuss am

Im Hauptartikel über die 10 häfigsten Hygienemängel in der Gastro-Küche tauchte bei den Eiswürfelmaschinen neben coliformen Keimen noch ein zweiter Begriff auf: Enterokokken. Was diese Bakterien von anderen Trinkwasserkeimen unterscheidet und warum ihr Nachweis besonders aufmerksam behandelt wird, erklärt dieser Artikel.

Was sind Enterokokken?

Bei Enterokokken handelt es sich um kugelförmige Bakterien der Ordnung der Milchsäurebakterien. Enterokokken kommen in der Natur, bei Menschen und Tieren und in einigen tierischen Lebensmitteln vor. Ein bekanntes Beispiel ist der französische Camembert, der dank der Enterokokken einen gewünschten Reifeprozess durchläuft. Die Bakterien tragen zum besonderen Geschmack dieses Käses bei.

Neben diesen positiven Eigenschaften besitzen einige Enterokokken-Arten aber auch negative Aspekte. Diese sind Krankheitserreger und können schwere Infektionen bei Personengruppen mit geschwächter Immunabwehr auslösen. Zusätzlich sind sie oft resistent gegenüber Antibiotika.

Wie gelangen Enterokokken ins Trinkwasser?

Enterokokken vermehren sich nicht im Wasser, sondern nur im menschlichen oder tierischen Körper. Ins Trinkwasser gelangen sie also nur durch fäkale Verunreinigungen von außen. Die Ursachen der Kontamination mit Darmbakterien können vielfältig sein, die Quellen zweifelsfrei zu ermitteln ist schwierig. Das Vorkommen der Bakterien im Wasser weist auf örtliche hygienische Probleme, eine schlecht gewartete oder unsachgemäß verbaute Hausinstallation hin. Undichte Senkgruben, alte Abwasserkanäle, Betriebsstörungen und zu geringer Wasserdurchlauf im Verteilungsnetz des Einzugsgebietes gelten ebenfalls als Risikofaktoren.

Ein Nachweis von Enterokokken ist gleichzeitig ein Indiz dafür, dass wahrscheinlich weitere Krankheitserreger im Wasser vorhanden sind. Anders als Kolibakterien sind Enterokokken wesentlich resistenter gegen Austrocknung oder Desinfektionsmittel wie Chlor.

Was sind die Folgen von Enterokokken im Trinkwasser?

Von den bisher insgesamt 25 bekannten Enterokokken-Arten gibt es einige Stämme mit pathogener Auswirkung auf den menschlichen Körper. Das sind unter anderem gefährliche Blutvergiftungen, Herzbeutelentzündungen und Harnwegsinfektionen. Kritisch kann dies für ältere, geschwächte Menschen, Menschen mit instabilem Immunsystem und Babys werden. Besorgniserregend ist dabei vor allem, dass einige Erreger eine natürliche Resistenz gegenüber bestimmten Antibiotika entwickelt haben. Man spricht diesbezüglich von der "Enterokokkenlücke". Enterokokken im Trinkwasser können also sehr schwere gesundheitliche Komplikationen für die Verbraucher nach sich ziehen.

Wer ist in der Verantwortung?

Enterokokken im Leitungswasser sind ein schwerer Befund. Da sich die Bakterien nicht im Wasser ausbreiten, ist die Belastung meist auf fäkale Verunreinigungen zurückzuführen. Aus diesem Grund liegt der Grenzwert der Trinkwasserverordnung bei 0/100 ml, das heißt in 100 ml Wasser dürfen sich keine Enterokokken befinden. Bis zur Grundstücksgrenze liegt die Verantwortung bei den kommunalen Wasserwerken.

Häufige Fragen

Sind Enterokokken grundsätzlich schädlich?

Nein. Enterokokken kommen natürlich in Mensch, Tier und einigen Lebensmitteln vor, etwa im Reifeprozess von Camembert. Erst bestimmte Enterokokken-Arten sind Krankheitserreger und können bei geschwächter Immunabwehr schwere Infektionen auslösen.

Warum ist ein Enterokokken-Nachweis im Trinkwasser besonders ernst zu nehmen?

Weil sich die Bakterien nicht im Wasser selbst vermehren, deutet ihr Vorkommen fast immer auf eine fäkale Verunreinigung von außen hin. Zusätzlich ist ihr Nachweis ein Indiz dafür, dass wahrscheinlich weitere Krankheitserreger im Wasser vorhanden sind.

Reicht Chlordesinfektion, um Enterokokken zuverlässig zu entfernen?

Enterokokken sind wesentlich resistenter gegen Austrocknung oder Desinfektionsmittel wie Chlor als Kolibakterien. Das macht sie schwerer zu bekämpfen als andere Indikatorkeime.

Welche gesundheitlichen Folgen kann ein Nachweis haben?

Einige der 25 bekannten Enterokokken-Arten können Blutvergiftungen, Herzbeutelentzündungen und Harnwegsinfektionen auslösen, besonders kritisch für ältere, geschwächte Menschen, Menschen mit instabilem Immunsystem und Babys.

Was ist die "Enterokokkenlücke"?

Damit ist gemeint, dass einige Enterokokken-Erreger eine natürliche Resistenz gegenüber bestimmten Antibiotika entwickelt haben, was die Behandlung von Infektionen erschwert.

Wer haftet, wenn Enterokokken im Wasser nachgewiesen werden?

Bis zur Grundstücksgrenze liegt die Verantwortung bei den kommunalen Wasserwerken. Der Grenzwert der Trinkwasserverordnung liegt bei 0/100 ml.

Mehr zu den kritischen Stellen im Küchenbetrieb, an denen unter anderem auch Enterokokken nachgewiesen werden, lesen Sie im Artikel Diese 10 Hygienemängel kosten Gastronomen Tausende Euro Bußgeld.