Pseudomonas aeruginosa im Trinkwasser: Der Krankenhauskeim, der auch zuhause vorkommt

Geposted von Rainer Nuss am

Im Hauptartikel über die 10 häfigsten Hygienemängel in der Gastro-Küche wurde bei den Eiswürfelmaschinen neben coliformen Keimen und Enterokokken auch Pseudomonas aeruginosa erwähnt.
Was diesen Keim von den anderen beiden unterscheidet und warum er in Kliniken besonders gefürchtet ist, erklärt dieser Artikel.

Was sind Pseudomonaden?

Pseudomonaden sind Bakterien, die sich mithilfe von Geißeln aktiv fortbewegen können. Die meisten Vertreter aus der Familie der Pseudomonadaceae sind aerobe Organismen, das heißt sie benötigen Sauerstoff für ihren Stoffwechsel. Da sie äußerst anspruchslos an ihre Umgebung sind, kommen sie überall, bevorzugt im Feuchten, vor. Umgangssprachlich ist vom Pfützenkeim die Rede.

Sind Pseudomonas gefährlich?

Die Wirkungsweise der Pseudomonaden ist vielfältig. Für einen gesunden Organismus stellen sie keine Gefahr dar. Anders sieht es jedoch bei Personen aus, die gesundheitlich angeschlagen sind oder einer Risikogruppe angehören. Pseudomonas aeruginosa ist besonders für Menschen mit geschwächtem Immunsystem gefährlich. Kontakt mit belasteten Flüssigkeiten kann, neben Handkontakt, bei Patienten mit äußerlichen Hautverletzungen zu bedrohlichen Infekten führen. Die Rede ist vom berüchtigten Krankenhauskeim.

Die klinische Bedeutung dieser Bakterienart ist immens: Aufgrund der sich bildenden Biofilme ist sie schwer zu bekämpfen und oft resistent gegen Antibiotika. Sie ist verantwortlich für lebensgefährliche Infektionen, Entzündungen, Sepsis und Herzerkrankungen.

Wie gelangen Pseudomonas in das Trinkwasser?

Da Pseudomonaden ubiquitäre Nasskeime sind, sie also allerorten vorkommen, sind die Ursachen für ihr Auftreten im Trinkwasser vielfältig. Die Gewinnung von Trinkwasser erfolgt aus Oberflächenwasser und Grundwasser. Dort ist deren Vorhandensein völlig normal. Die Wasserwerke sorgen für die Entkeimung und Aufbereitung des Rohwassers.

Gründe für Kontamination können die Installation neuer Anlagen und Geräte mit mikrobiologischen Anhaftungen sein. Der Einbau hygienisch belasteter Wasseruhren ist dafür ein prominentes Beispiel. Nach positiven Laborbefunden von Pseudomonas aeruginosa folgen großangelegte Maßnahmen: Spülung, Desinfektion und Materialaustausch.

Wie kann man sich vor Pseudomonas schützen?

Unter normalen Umständen birgt der Kaltwasserkeim keine Gesundheitsgefahren. Der Endverbraucher kann sich mit einfachen Mitteln gegen eine Verunreinigung durch Pseudomonaden ausreichend wappnen. Das Bakterium bevorzugt das Kaltwassersystem der Hausinstallation. Bei Temperaturen oberhalb 25 °C vermehrt es sich, erst Temperaturen über 60 °C wirken abtötend. Trockenzeiten dagegen übersteht der Keim problemlos.

Deshalb fördern mangelhafte Leitungssysteme mit schlechter Durchströmung oder Stagnationswasser die Besiedlung mit Keimen.

Tipp: Das über mehrere Stunden abgestandene Leitungswasser abfließen lassen, bis frisches, kaltes Wasser aus dem Hahn kommt.

Häufige Fragen

Ist Pseudomonas aeruginosa für jeden gefährlich?

Nein. Für einen gesunden Organismus stellen Pseudomonaden keine Gefahr dar. Gefährlich wird es bei Personen mit geschwächtem Immunsystem oder bei Patienten mit äußerlichen Hautverletzungen.

Warum gilt Pseudomonas aeruginosa als besonders schwer bekämpfbar?

Aufgrund der sich bildenden Biofilme ist die Bakterienart schwer zu bekämpfen und oft resistent gegen Antibiotika.

Woher kommen Pseudomonaden im Trinkwasser überhaupt?

Sie sind ubiquitäre Nasskeime und kommen natürlich in Oberflächen- und Grundwasser vor. Kontamination im Leitungssystem kann zum Beispiel durch die Installation neuer Anlagen und Geräte mit mikrobiologischen Anhaftungen entstehen, etwa hygienisch belastete Wasseruhren.

Bei welcher Temperatur vermehrt sich Pseudomonas aeruginosa?

Das Bakterium vermehrt sich bei Temperaturen oberhalb 25 °C. Erst Temperaturen über 60 °C wirken abtötend, Trockenzeiten übersteht der Keim dagegen problemlos.

Was passiert nach einem positiven Laborbefund?

Es folgen großangelegte Maßnahmen: Spülung, Desinfektion und Materialaustausch.

Was kann ich als Endverbraucher selbst tun?

Abgestandenes Leitungswasser, das mehrere Stunden im Rohr stand, ablaufen lassen, bis frisches, kaltes Wasser aus dem Hahn kommt. Mangelhafte Leitungssysteme mit schlechter Durchströmung oder Stagnationswasser fördern sonst die Keimbesiedlung.

Mehr zu den kritischen Stellen im Küchenbetrieb, an denen unter anderem auch Pseudomonas aeruginosa nachgewiesen wird, lesen Sie im Artikel Diese 10 Hygienemängel kosten Gastronomen Tausende Euro Bußgeld.